Author Archives: Katharina Schmucker

Unser Ausflug in die Nationalparks in Utah

Unser erster gemeinsamer Urlaub in den USA und der erste diese Jahr. Es ist eben doch alles etwas anders in 2013. Wir fliegen nach Las Vegas mit South West. Da ist hier die günstige inneramerikanische Fluglinie. Buchung über das  Internet, bei Stornierung wird das Geld gutgeschrieben, Online Check In und beim Boarden stellt man sich in eine Reihe je nach gezogener Nummer beim Check In.  Eine sehr praktische, unkomplizierte und freundliche Airline.   Von
Las Vegas brechen wir Richtung Zion Nationalpark auf. Die Skyline von Las Vegas sehen wir nur von der Ferne. Glänzende Wolkenkratzer, Imitate von der Pyramide, vom Eiffelturm etc. Nichts ist hier verrückt genug. Die Amerikaner lieben Las Vegas, Disneyland für Erwachsene. Und billig ist es auch nicht gerade, aber hier machen die Amerikaner 24 Stunden Party und der Kommerz findet seinen Höhepunkt. Ein Bild von Amerika, das wir schnell hinter uns lassen, ein anderes folgt gleich.

Im Zion Park kommen wir in einem Hotel unter, alles sehr touristisch, aber nett. Im Hotelrestaurant begrüßen einen geschnitzte Bären und Waffen an den Wänden.  Das Essen ist rustikal und lecker. Viel Fleisch, Kartoffeln in allen Varianten und der in Amerika beliebte Pie. Unten Früchte, oben Kuchenteig, dazu Vanilleeis.

Durch die Zion Schlucht fährt man mit einem Shuttle, der Nationalpark hat natürlich einen Visitorcenter, viele nette Ranger, eine Lodge zum Übernachten und bestens ausgeschilderte Wanderwege. Felsen in allen Rotschatierungen ragen in den Himmel. Wir verbringen dort einige Tage mit wunderschönen Wanderungen.  Von Deutschen wimmelt es nur so, das scheinen alle auf der Route zu haben. Viele Amerikaner waren dagegen noch nie hier. Allerdings hat der Park im Jahr 3 Mio Besucher, davon sind natürlich auch viele aus den USA.

Abends geht es in den kleinen Hotelswimmingpool vor Bergkulisse.  Das Wetter ist sonnig, nachts kalt und tagsüber wird es richtig heiß. Die Luft ist sehr trocken.

Unser nächster Stopp ist Bryce Canyon. Dorthin geht es über sehr gut ausgebaute Landstraßen (die Straßen sind hier viel besser als in Kalifornien, dem notorisch pleiten Bundesstaat), vorbei an viel Landwirtschaft mit Vieh. Alle Wiesen werden künstlich bewässert, auch hier das Wasser knapp. Das Land ist sehr dünn besiedelt und arm, viele Mormonen leben hier. Die Menschen sind einfach, aber sehr freundlich und bodenständig.  Hier zeigt sich ein ganz anderes Amerika als in der Multi Kulti Bay Area und man versteht ein bisschen die Waffenliebe,  das Leben in der „Wildniss“ und die konservative, religiöse und abgeschiedene Lebensweise.

Nun die Überraschung am Eingang des zweiten Nationalpark:  Shut Down. Zum ersten Oktober wird das Haushaltsbudget nicht freigegeben, ergo müssen alle Nationalparks, -monumente und museen geschlossen bleiben. Nicht nur das Visitorcenter ist geschlossen, alle Wanderwege sind abgesperrt. Unabsehbar, wie lange der Shut Down bleibt. So will die Teaparty, der rechte Flügel der Republikaner, Obama erpressen, die neue Health Care wieder rückgängig zu machen.

Wir finden schnell eine Alternative: Highway 12 führt uns am nächsten Tag durch unendliche Ebenen, Bergpanoramen, wunderschöne Aussichtspunkte, Steinwüsten und Menschenleere.  Uns fasziniert besonders die Andersartigkeit zur Westküste, die wir nun gut kennen. Auch die Wanderung im Red Canyon ist wunderschön durch rote, bizarre Felsformationen und –türme. Ein bisschen wie im Märchenland.

Traurig sind wir schon, dass uns der Shutdown erwischt hat (der letzte war 1996!), aber auch so haben wir viel erlebt, vielleicht kommen wir nochmal im Winter, dann ist es hier richtig kalt und es hat Schnee. Touristen sind dann kaum da und viele Hotels geschlossen.

Der Tick Bite (der Zeckenbiss)

Am Wochenende treibt es uns in die Natur,  vor allen Dingen mich zur Bewegung und Dag ist dann auch immer gerne dabei. Nationalparks gibt es hier viele. Man braucht immer eine Weile, um dorthin zu fahren, da sie häufig abgelegen und schwer zugänglich sind. Neben dem Besucherparkplatz erwartet einen häufig ein Visitor Center. Dort bezahlt man eine geringe Gebühr von 5-10 Dollar und wird von den Park Rangers empfangen. Das sind freiwillige Helfer, ganz häufig Rentner. Das fällt hier insgesamt auf, Rentner machen noch kleine Jobs oder arbeiten ehrenamtlich. Auch unsere Relocation Manager waren beide Rentnerinnen. Im Visitor Center gibt es noch Wanderkarten und dann geht es auf gut beschilderten Wegen los. Es ist ziemlich heiß und die Pflanzenwelt schon ziemlich braun und das Anfang Mai.

Plötzlich spüre ich einen Schmerz am Bein und kann noch eine Zecke entdecken, die sich gerade festsaugen will. Am Abend ist nichts mehr zu sehen, dafür habe ich 2 Tage später eine ziemliche Rötung. Die Nurse bei der Arbeit, eine super Einrichtung, die es auch in Biberach gibt, ist besorgt und schickt mich zur Urgent Care. Auch der Arzt ist besorgt mit Verdacht auf Lyme, eine Form von Borreliose, und verschreibt mir Antibiotika. Etwas beunruhigt, vor allen Dingen nach dem Nachlesen im Internet, rufe ich meinen Bruder an, der mich wieder beruhigen kann. Einige Tage später geht es mir weiterhin gut und ich hoffe, es ist alles gut überstanden. Die Antibiotika nehme ich noch 10 Tage. Die Zecken scheinen mich zu mögen, das kenne ich schon aus Biberach.

Die ersten 2 Wochen bei der Arbeit

Nun bin ich schon über 2 Wochen an meinem neuen Arbeitsplatz und sammle viele Eindrücke. Ich habe ein schönes Büro, kein Cubical, sondern ein geschlossener Raum. Die Möbel sind alle uniform und eher unpraktisch. So Schränke wie im Flugzeug über den Sitzen. Dafür schaue ich ins Grüne.

Auch bei der Arbeit sind viele Asiaten:  Inder, Chinesen, Vietnamesen, Philippinen. Es kann passieren, dass ich in einer 10 köpfigen Besprechung sitze und beinahe die einzige Weiße bin. Also, wenn Deutschland von Demographiewandel und Einwanderung spricht. Und über die Chinesenvormacht. Das ist hier schon in vollem Gange. Ob es eine Frage der Zeit ist, dass es in Deutschland ähnlich aussieht? Dann wird sich noch viel ändern. Hier gibt es einen unglaublichen Kulturmix. Das ist uns bis jetzt noch nicht so aufgefallen, aber wir waren ja bisher auch nur im Urlaub hier. Und in der Bay Area ist es vielleicht auch besonders ausgeprägt. An der Ostküste sieht es wieder ganz anders aus.

Die Arbeitsweise ist ähnlich wie bei uns, manchmal etwas unorganisiert. Das kenne ich in Biberach anders. So steht die Site vielen Herausforderungen gegenüber. Es wird spannend.

Was fehlt sind die Kaffee- und Mittagspausen aus Biberach. Da gibt es kein wirkliches Gemeinschaftsgefühl. Das Essen dient hier ausschließlich der Nahrungsaufnahme. Es gibt eine Cafeteria, die ich gut finde, aber wenige gehen hin. Der Weg ist wohl zu weit, es sind ca. 500 m. Viele essen außerhalb bei einem der vielen Thai-, Chinesen- u.a. Restaurants. Das mag ich nur einmal die Woche essen.  Auch mit dem Kaffee ist es so eine Sache. Morgens wird einer gekocht und der bleibt dann den ganzen Tag in der Kanne. Das schmeckt nicht besonders gut. Wobei durch Starbucks und andere Cafe-Ketten doch ein ziemlicher Wandel stattgefunden hat, was die Kaffeekultur angeht. Leider ist auch hier alles in Pappbechern.

Wie in Deutschland auch habe ich viele Besprechungen. In der Einfindungsphase geht es mir ersteinmal darum alle kennenzulernen, ich führe viele Zweiergespräche mit Kollegen aus anderen Abteilunge, um mir ein eigenes Bild der Lage machen zu können.

Zur Vorgeschichte des Standortes (Site): Boehringer hat die Site vor 2 Jahren gekauft. Gebaut wurde sie vor 10 Jahren und es ist schon der zweite Verkauf. Es gibt noch viele aus der alten Belegschaft. Seitdem ist viel passiert. Gebaut und betrieben als Monoanlage für ein einziges eigenes Produkt, werden nun viele eigene und fremde Produkte gefahren. Also eine große Umstellung für alle, die schon lange dabei sind. Seit der Übernahme durch BI sind viele von sich aus gegangen oder es wurde ihnen gekündigt. So ist die Gesamtbelegschaft von über 400 auf 200-300 gesunken. Dementsprechend ist die Stimmung verhalten.Allerdings investiert BI sehr stark in den Standort, was ein gutes Zeichen ist. Nur das ruhige Leben ist eben vorbei und es weht ein anderer Wind.

Restaurants in Amerika

Die Amerikaner lieben es, Essen zu gehen. Siehe Heizspirale beim Herd. Das lässt schon darauf schließen, dass die Küche wenig genutzt wird. Die meisten gehen so gegen 6 pm zum Essen. Man geht zum Eingangstresen, wo man sehr freundlich empfangen wird und darauf wartet „to be seated“.  Das heißt, man wird zu seinem Platz geführt. Hier kann es passieren, dass man 15-30 Minuten warten muss. Dann am Tisch bekommt man die Karte und Wasser. Die Kellner sind sehr bemüht und fragen dauernd nach, ob alles in Ordnung ist oder man noch etwas braucht. Die Dichte an Kellnern ist sehr hoch. Das Essen kommt immer sehr zügig und die Rechnung danach auch. Lange sitzen ist nicht. Die Restaurants  sind auf einen hohen Durchsatz ausgelegt. Viele Plätze, viele Kellner, kurze Wartezeiten und kurze Verweildauer. Das Essen ist meistens gut und die Auswahl riesig. Meistens ist es sehr dunkel und vor allem sehr kalt in den Restaurants, ein Jacke sollte man immer dabeihaben, die Stirnlampe vielleicht.

Die Wohnungssuche

Wir sind unterwegs mit unserem Relocation Manager. So nennt man die Damen, die einem alles organisieren. Was für ein Luxus! Die Suche gestaltet sich sehr unterhaltsam: Häufig sind wir in Apartmentanlagen. Man wird im Leasing Office empfangen. Eine nette Dame gibt eine Einführung. Es gibt eine Sofaecke mit frischen Blumen, eine Kaffeemaschine. Alles macht einen sehr gepflegten Eindruck. Die Anlagen muss man sich vorstellen wir Ferienanlagen auf den Kanaren oder Mallorca. Kleiner Swimmingpool, den kaum jemand nutzt, Fitnesscenter, auch hier wenig los. Ein Konferenzraum, den man mieten kann. Wofür braucht man so etwas? Uns wurde gesagt zum Pokerspielen. Die Gartenanlagen sind häufig herrlich und sehr gepflegt. Die Vegetation ist hier natürlich auch eine ganz andere. Zitronenbäume, viel Grün und Blumen. Allerdings ist das Wasser knapp in Kalifornien. Alles muss bewässert werden.

Die Apartments sind meist sehr schön mit Blick auf die Gartenanlagen. Die Wohnungen sind in einem guten Zustand mit Teppichboden. Viele Einbauschränke, sehr praktisch. Alles ist auf Praktikabilität ausgerichtet. Am meisten schockiert uns der Herd mit Heizspirale. Hier noch sehr verbreitet.

Herd2 Herd

Manche der Anlagen sind dagegen weniger schön. Alte, kleine Holzhäuschen, beinahe wie Baracken. Von außen wird hier wohl wenig gemacht an den Fassaden. Manche Apartments haben auch einen Patio mit Garten. Heißt: Mit einem Holz umzäunte Terrasse mit einem 1×1 Meter großen Stück Erde (Aussparung der Betonplatte).

Es ist wirklich von allem was dabei und wir bekommen einiges zu sehen. Aber die Erlebnisse bei der Wohnungssuche in Deutschland sind ja auch immer sehr unterhaltsam.

Trotzdem haben wir uns gegen solch eine Anlage entschieden. Dann fühlen wir uns wie in Dauerferien und das Ganze ist doch sehr künstlich und nicht besonders privat und individuell.

Die Preise für solche Wohnungen sind enorm. Je nachdem in welcher Gegend man wohnen möchte, zahlt man für ein 2-Bedroom-Apartment 2000-3000 Dollar. Da ist dann die Küche, der Wohn-/ Essbereich, 2 Schlafzimmer mit 2 Bädern enthalten. Uns Deutschen wird die Wohnung von der Firma bezahlt, wie kann sich  das aber ein normaler Amerikaner leisten?

Fremont

Wir wohnen in Fremont, einer Stadt an der East Bay. Die Stadt besteht nur aus geraden Straßen, Shopping Centern und Apartmentblöcken. Leider total gesichtslos ohne Atmosphäre. Alles sieht gleich aus. Andererseits gibt es schöne Parkanlagen und viele Möglichkeiten zum shopping und Essengehen.  Der Anteil an Asiaten beträgt über 50 Prozent, wir fühlen uns beinahe wie Exoten hier. Nur Inder, Pakistani, Chinesen, Philippinen…. Zumindest von ihren Wurzeln. Die Asiaten ziehen wohl auch deshalb hierher, weil die öffentlichen Schulen so gut sind, mit die besten in Kalifornien. Es gibt hier natürlich auch viele private Schulen, die sind für normale Menschen aber unbezahlbar. Aufgrund dessen gibt es dann aber viele gute asiatische Restaurants. Nicht zu fassen, diese Auswahl. Man gerät schnell in ein Restaurant, in dem es nur eine Karte in Chinesisch gibt.

Also für uns aus dem beschaulichen Biberach ist das hier echt ein Kulturschock!

Was wirklich schön ist, ist die Auswahl an Geschäften. Die Welle Organic Food ist hier voll angekommen. Die Auswahl an frischem Gemüse und Obst ist riesig aber teuer. Trotz günstigem Umtauschkurs. Heute waren wir in einem Farmers Market. Das hat aber nicht viel zu tun mit dem Markt in Deutschland, sondern ist einfach ein Geschäft mit regionalen Produkten. Keine Stände mit kleinen Bäuerlein wie bei uns. So gehen die Vorstellungen eben doch auseinander.

Die Ankunft

Bei der Einreise in die USA in San Francisco haben  wir großes Pech und enden in einer 1,5 Stunden langen Schlange. Mit lauter Chinesen, die ewig brauchen. Die Reisegruppenleiterin spricht wohl englisch und flitzt immer zwischen den Schaltern hin und her. Inzwischen muss man ja neben dem Pass auch die Fingerabdrücke abgeben und es wird ein Foto gemacht. Wir haben Glück, dass der Taxifahrer auf uns wartet und uns mit den Gepäckmassen in Empfang nimmt. Alles ist gut und heil angekommen!

Unser Apartment ist nett, aber länger als einige Wochen möchten wir hier nicht wohnen. Es gibt natürlich einen Alibi-Swimmingpool und ein kleines Fitnesscenter, das wenige nutzen.

Diese Art von Apartmentanlagen werden wir noch häufiger sehen bei unserer Wohnungssuche.

Die Abreise

Mit Hilfe von Dags Bruder Björn gelingt es uns, am Vorabend des Abfluges unser ganzes Gepäck aufzugeben:

2 Koffer, 4 Alukisten, 1 Flightcase mit Bildern und 2 Fahrräder.

Zumindest für mich muss das für 2 Jahre reichen. Die Dame am Check In ist sehr freundlich und wir sorgen für Aufsehen an den Schaltern. Am Morgen des Abflugs wäre die Gepäckaufgabe undenkbar gewesen. Viel zu lange, wir brauchen beinahe eine Stunde. Abgabe ist dann beim Sperrgepäckschalter. Dag hat alles richtig berechnet und alle Gepäckstücke sind abgewogen und abgemessen, so dass die Extrakosten dem entsprechen, was wir kalkuliert hatten: 800 Euro.

Wir fliegen im neuen Airbus A380, ein ganz anderes Fluggefühl. Man fühlt sich eben nicht mehr wie in einem Flugzeug und wundert sich, wie so ein großer Vogel überhaupt in der Luft kommt.

Wir haben einen Zwischenstopp in Frankfurt und fliegen dann weitere  11 Stunden, die Route geht über Grönland und Kanada. Beinahe um die halbe Welt. Die Zeitdifferenz beträgt 9 Stunden.